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Noch am Freitag hatte Óscar Puente einen Rücktritt abgelehnt. Vier Tage später erklärte Spaniens Verkehrsminister vor dem Parlament seinen Rückzug. Der PSOE-Politiker übernimmt damit die politische Verantwortung nach den Zugkatastrophen von Adamuz und Urda, ohne eine persönliche Schuld an den Unfallursachen einzuräumen. Zugleich verzichtet er auf seine Kandidatur bei der Parlamentswahl am 29. November.
Im Januar starben bei einem Zugunglück nahe Adamuz in Andalusien 46 Menschen. Am 28. Oktober kamen bei der Kollision zweier Hochgeschwindigkeitszüge nahe Urda in der Provinz Toledo mindestens 69 Menschen ums Leben.
Puente erklärte, er habe sich bereits am Tag des Unglücks von Urda zum Rücktritt entschlossen. Ministerpräsident Pedro Sánchez informierte er jedoch erst kurz vor seiner Erklärung im Parlament. Er begründete seine Entscheidung mit politischer Würde und Mitgefühl gegenüber den Opfern.
Die Ermittlungen zu beiden Katastrophen dauern an. Bei Urda konzentrieren sie sich unter anderem auf den Ausfall eines Sicherheitssystems und die anschließenden Anweisungen aus der Zugverkehrsleitung in Madrid.
Ministerpräsident Pedro Sánchez würdigte Puentes Entscheidung. Die konservative Partido Popular (PP) hält den Rücktritt dagegen für überfällig und wirft der Regierung Versäumnisse bei der Instandhaltung des Schienennetzes vor. Vox fordert auch den Rücktritt von Sánchez.
Damit steht nicht mehr allein Puentes politische Verantwortung zur Debatte. Es geht um die Sicherheit des spanischen Eisenbahnnetzes und die Frage, ob bestehende Kontrollsysteme und Wartungsmaßnahmen ausreichen.
Die PP hat bereits angekündigt, im Fall eines Wahlsiegs der Instandhaltung bestehender Bahnstrecken Vorrang vor neuen Ausbauprojekten geben zu wollen.
Für die Provinz Alicante ist vor allem die künftige Ausrichtung der staatlichen Bahnpolitik interessant. Das Verkehrsministerium verantwortet wichtige Infrastrukturprojekte, darunter die Hochgeschwindigkeitsverbindungen nach Madrid und den Ausbau des Mittelmeerkorridors (Corredor Mediterráneo).
In der Comunitat Valenciana laufen mehrere größere Vorhaben. Dazu gehören die Erweiterung des Bahnhofs Alicante-Terminal, die Modernisierung der Strecke zwischen La Encina und Alicante sowie die geplante Variante von Torrellano.
Allein für die Umstellung des Streckenabschnitts La Encina–Alicante auf internationale Spurbreite wurden 2026 Investitionen von insgesamt 267 Millionen Euro mobilisiert. Der Ausbau soll die Verbindungen zwischen Alicante, Valencia und dem europäischen Eisenbahnnetz verbessern.
Puentes Rücktritt bedeutet weder eine automatische Unterbrechung dieser Projekte noch Änderungen an bestehenden Fahrplänen. Für die weitere Entwicklung wird entscheidend sein, welche Prioritäten die neue Ministeriumsführung bei Sicherheit, Instandhaltung und Ausbau setzt.
Der Rücktritt kommt wenige Tage vor Beginn des offiziellen Wahlkampfs am 13. November. Puente sollte für die PSOE als Spitzenkandidat in der Provinz Valladolid antreten. Auf seine Kandidatur verzichtet er ebenfalls.
Für Sánchez ist das ein politischer Verlust. Die Zugkatastrophen und der Zustand des Schienennetzes sind bereits zum Wahlkampfthema geworden. Ob der Rücktritt die Wahlentscheidung beeinflusst, ist offen.
Am 29. November werden in ganz Spanien der Congreso de los Diputados und der Senado neu gewählt, auch in der Provinz Alicante und der übrigen Comunitat Valenciana.
Internationale Residenten ohne spanische Staatsangehörigkeit dürfen an dieser Parlamentswahl nicht teilnehmen.Das gilt auch für EU-Bürger, die dauerhaft in Spanien leben. Wahlberechtigt sind spanische Staatsangehörige, sofern sie die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllen.
Über Puentes Nachfolge entscheidet Ministerpräsident Sánchez. Bis zur formellen Entlassung bleibt der scheidende Minister rechtlich im Amt.
Der Ministerwechsel beendet die politische Debatte nicht. Die Ermittlungen zu den beiden Zugkatastrophen laufen weiter, ebenso die Diskussion über zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Für Spaniens Bahnreisende wird letztlich entscheidend sein, welche konkreten Verbesserungen aus den Untersuchungen folgen.
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