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Zugunglück in Spanien: 68 Tote bei Toledo

Nach dem Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge bei Toledo konzentrieren sich die Ermittlungen auf eine technische Störung und Anweisungen der Verkehrsleitstelle. Spanien hat drei Tage Staatstrauer ausgerufen. Auch an der Costa Blanca gibt es erste Veranstaltungsabsagen.

Zugunglück in Spanien: 68 Tote bei Toledo

Bei dem schweren Zugunglück in Spanien sind am Mittwoch, 28. Oktober, mindestens 68 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 100 weitere wurden verletzt, 53 befanden sich am Donnerstagmorgen noch im Krankenhaus. Nahe Urda in der Provinz Toledo war ein AVE-Hochgeschwindigkeitszug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe auf einen stehenden Zug des privaten Anbieters Iryo aufgefahren. Die Ermittlungen konzentrieren sich inzwischen auf die Frage, weshalb der AVE trotz einer Störung des Zugsicherungssystems weiterfahren durfte.

Die spanische Regierung hat vom 29. bis 31. Oktober eine dreitägige Staatstrauer angeordnet. Die Hochgeschwindigkeitsverbindungen zwischen Madrid und Andalusien bleiben unterbrochen.

Was beim Zugunglück bei Toledo geschah

Der Unfall ereignete sich gegen 8.53 Uhr auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid–Sevilla. Etwa 23 Minuten zuvor war auf einem rund 69 Kilometer langen Streckenabschnitt das automatische Zugsicherungssystem LZB ausgefallen. Sechs Züge mussten daraufhin zunächst anhalten. Die Verkehrsleitstelle des spanischen Schienennetzbetreibers Adif in Madrid-Atocha übernahm die weitere Steuerung. Während ein AVE von Renfe die Erlaubnis zur Weiterfahrt erhielt, konnte ein vorausfahrender Iryo aufgrund technischer Probleme nicht wieder anfahren. Der AVE prallte auf den stehenden Zug. Mehrere Waggons entgleisten, zwei stürzten eine Böschung hinunter. Feuerwehr, Rettungsdienste, Guardia Civil und die militärische Notfalleinheit UME waren im Einsatz. Die Bergungsarbeiten wurden auch in der Nacht zum Donnerstag fortgesetzt. Die Zahl der Todesopfer ist weiterhin vorläufig.

Ermittlungen: Warum wurde der AVE nicht gestoppt?

Besonders aufschlussreich sind inzwischen bekannt gewordene Gesprächsaufzeichnungen zwischen den Lokführern und der Adif-Verkehrsleitstelle. Die Nachrichtenagentur EFE und der öffentlich-rechtliche Sender RTVE haben Teile dieser Kommunikation ausgewertet. Um 8.36 Uhr erhielt der Lokführer des AVE nach einem Neustartversuch des ausgefallenen Sicherheitssystems die Anweisung, seine Fahrt mit normaler Geschwindigkeit fortzusetzen. Gegen 8.41 Uhr meldete die Lokführerin des vorausfahrenden Iryo dagegen, dass ihr Zug weiterhin vor Urda stillstand.

Auch ein erneuter Versuch, das Zugsicherungssystem zu starten, blieb beim Iryo erfolglos. Die Verkehrsleitstelle wusste damit von den Problemen des vorausfahrenden Zuges, während sich der AVE näherte.

Die Ermittler müssen nun klären, weshalb der nachfolgende Zug nicht rechtzeitig angehalten wurde und ob die vorgeschriebenen Sicherheitsverfahren eingehalten wurden.

Nach Angaben von Fachleuten hätte bei einem Ausfall des LZB-Systems möglicherweise ein Verfahren mit deutlich reduzierter Geschwindigkeit und Fahren auf Sicht angewendet werden müssen. Dabei wird unter anderem eine Höchstgeschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde diskutiert. Ob die erteilte Fahrerlaubnis tatsächlich gegen geltende Sicherheitsvorschriften verstieß, ist noch nicht abschließend geklärt. Neben der gerichtlichen Untersuchung läuft eine unabhängige technische Unfalluntersuchung. Ausgewertet werden insbesondere die Fahrtenschreiber, Betriebsdaten und Kommunikationsprotokolle. 

Drei Tage Staatstrauer: Auch an der Costa Blanca fallen Veranstaltungen aus

Ministerpräsident Pedro Sánchez besuchte am Mittwoch die Unfallstelle und versprach eine umfassende Aufklärung. Mit dem Königlichen Dekret 949/2026 ordnete die Regierung eine landesweite Staatstrauer vom 29. bis einschließlich 31. Oktober 2026 an. Während dieser Zeit weht die spanische Nationalflagge an öffentlichen Gebäuden auf halbmast. Die Regelung gilt auch für die Comunidad Valenciana und sämtliche Gemeinden entlang der Costa Blanca. Ein generelles Veranstaltungsverbot ist damit nicht verbunden. Die Gemeinden entscheiden selbst, ob sie geplante Feiern und öffentliche Veranstaltungen absagen oder verschieben. In der Provinz Alicante haben Elda und Petrer bereits reagiert. Beide Gemeinden setzen den Großteil ihrer kommunalen Veranstaltungen während der Trauertage aus. Betroffen sind unter anderem geplante Halloween-Feiern, die auf einen späteren Termin verschoben werden sollen. In Elda wurden außerdem ein Seniorentanz und ein Chorauftritt abgesagt. Das Wirtschaftsforum PYMELDA im Teatro Castelar soll dagegen stattfinden und mit einer Schweigeminute beginnen. Weitere Programmänderungen sind möglich. Gerade für die Veranstaltungen rund um Halloween am Samstag empfiehlt sich deshalb ein Blick auf die aktuellen Mitteilungen der jeweiligen Gemeinde.

Bahnverkehr: Verbindungen von Madrid nach Andalusien gesperrt

Der Zusammenstoß hat erhebliche Auswirkungen auf den spanischen Hochgeschwindigkeitsverkehr. Renfe bestätigt, dass die Verbindungen zwischen Madrid, Ciudad Real und Andalusien bis auf Weiteres unterbrochen bleiben. Als erste Ersatzmaßnahme hat die Bahngesellschaft zusätzliche Züge auf dem konventionellen Schienennetz zwischen Madrid, Ciudad Real und Puertollano eingerichtet. Dadurch verlängert sich die Fahrtzeit auf diesen Verbindungen um ungefähr eineinhalb Stunden. Ab Freitag, 30. Oktober, soll ein umfassender Ersatzfahrplan für Reisen zwischen Madrid und Andalusien gelten. Einzelheiten zu Fahrzeiten und Streckenführungen veröffentlicht Renfe über ihre offiziellen Informationskanäle. Für Reisende aus Alicante und von der Costa Blanca betrifft die Sperrung vor allem Zugreisen über Madrid nach Córdoba, Sevilla oder Málaga. Die Hochgeschwindigkeitsstrecke Alicante–Madrid selbst liegt außerhalb des gesperrten Abschnitts. Anschlussverbindungen nach Andalusien können jedoch ausfallen oder erheblich länger dauern.

Zusätzlich kommt es am Donnerstag, 29. Oktober, durch einen bereits zuvor angekündigten Lokführerstreik zu Beeinträchtigungen. Renfe warnt ausdrücklich davor, dass auch Verbindungen mit vorgesehenem Mindestbetrieb betroffen sein können. Fahrgäste, deren Zug wegen der Streckensperrung ausfällt, können ihre Fahrkarten bei Renfe kostenlos umbuchen oder stornieren.

Aktuelle Reiseinformationen stehen auf den offiziellen Seiten von Renfe (https://www.renfe.com/) und Adif (https://www.adif.es/viajeros/estado-de-la-red) zur Verfügung.

Hilfe für Angehörige und weitere Untersuchungen

Renfe hat unmittelbar nach dem Unfall seinen Krisenstab und den Hilfsplan für Opfer von Eisenbahnunfällen aktiviert. Für Angehörige und Betroffene ist die kostenlose Servicenummer 900 10 10 20 eingerichtet. An den Bahnhöfen Madrid-Atocha, Sevilla, Córdoba und Málaga stehen zusätzliche Betreuungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Der Unfall wirft erneut Fragen zur Sicherheit des spanischen Hochgeschwindigkeitsnetzes auf. Bereits im Januar 2026 kamen bei einem Eisenbahnunglück nahe Adamuz in Andalusien 46 Menschen ums Leben. Ministerpräsident Sánchez kündigte an, mögliche Sicherheitsmängel konsequent untersuchen und notwendige Verbesserungen umsetzen zu lassen. Ein Zusammenhang zwischen den beiden Unglücken ist bislang nicht nachgewiesen.

Stand: Donnerstag, 29. Oktober 2026, Vormittag. Opferzahlen und Ermittlungsstand können sich verändern.

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