Während in vielen Ländern Ostern oft nur auf Schokoladeneier und Familienessen reduziert wird, verwandelt sich ein grosser Teil Spaniens und die Costa Blanca jedes Jahr in ein lebendiges Freilichttheater tief verwurzelter Traditionen.
Von Dénia bis Villajoyosa entfaltet sich die Semana Santa – die Heilige Woche – in voller Pracht: Prozessionen ziehen durch die Straßen, alte Bruderschaften tragen schwere Heiligenfiguren, Trommeln und Blasinstrumente untermalen die gespenstisch-feierliche Atmosphäre. Doch was steckt hinter diesen Ritualen?
Die Bruderschaften – Hüter der Tradition
Ein zentrales Element der Osterfeierlichkeiten sind die Cofradías oder Hermandades, religiöse Bruderschaften, die tief in der Geschichte Spaniens verwurzelt sind. Ihre Ursprünge reichen bis ins Mittelalter, als sich Gemeinschaften bildeten, um Wohltätigkeit zu leisten, die Kirche zu unterstützen und die christliche Passion öffentlich zu inszenieren.
Heute sind sie die Organisatoren der eindrucksvollen Prozessionen, die während der Karwoche in vielen Orten stattfinden. Ihre Mitglieder, oft in langen Roben mit spitzen Kapuzen (die nichts mit Ku-Klux-Klan-Symbolik zu tun haben, sondern Buße und Demut darstellen), tragen große Heiligenfiguren auf kunstvollen Tragegestellen, den sogenannten Pasos.
Diese Pasos sind oft mehrere hundert Kilo schwer, werden von Dutzenden Menschen auf den Schultern getragen und haben eine fast magische Wirkung auf die Zuschauer.
Die wichtigsten Osterbräuche und Rituale
Die Heilige Woche folgt einem klaren Ablauf mit festen Ritualen, die sich über Jahrhunderte entwickelt haben:
Kulinarische Ostertraditionen – Süße Versuchungen und Familientreffen
Neben den religiösen Feierlichkeiten spielt auch die Gastronomie eine große Rolle. Wer in der Osterzeit durch Bäckereien schlendert, kommt an der Mona de Pascua nicht vorbei. Dieser traditionelle Osterkuchen ist ein süßer Hefeteig, der mit gekochten Eiern oder Schokolade verziert wird. Früher war es üblich, dass Paten ihren Patenkindern eine Mona schenkten – ein Brauch, der sich in vielen Familien bis heute hält.
Besonders am Ostermontag ist es Tradition, die Mona de Pascua im Freien zu genießen – oft bei einem großen Familienpicknick am Strand oder in den Bergen.
Warum Ostern in Spanien so wichtig ist
Während Weihnachten in vielen Ländern als wichtigstes christliches Fest gilt, hat Ostern in Spanien einen ganz anderen Stellenwert. Die Karwoche ist nicht nur eine religiöse Feier, sondern ein tief verwurzeltes kulturelles Ereignis, das den Rhythmus des Landes bestimmt. Viele Städte und Dörfer bereiten sich monatelang auf diese eine Woche vor, Bruderschaften arbeiten das ganze Jahr über an den perfekten Prozessionen, und die Straßen werden zur Bühne für ein lebendiges Schauspiel aus Andacht, Kunst und Tradition.
Ostern an der Costa Blanca ist also mehr als nur ein religiöses Fest – es ist eine kulturelle Erfahrung, die Geschichte, Kunst und Gemeinschaft in einzigartiger Weise vereint. Wer diese Zeit einmal hier erlebt hat, wird sie so schnell nicht vergessen.