In der Provinz Alicante hat sich die Mehrheit der Familien für Spanisch als Unterrichtssprache entschieden. Sechs von zehn Eltern präferierten Kastilisch, was 65,89% der abgegebenen Stimmen entspricht (83.569 Stimmen). Im Gegensatz dazu votierten 34,11% (43.269 Stimmen) für Valencianisch. Diese Ergebnisse stammen aus der vom Bildungsministerium veröffentlichten Konsultation, deren Resultate am Donnerstag bekannt gegeben wurden.
Auffällig ist, dass Alicante damit die einzige Provinz der Autonomen Gemeinschaft Valencia ist, in der Spanisch als vorherrschende Sprache gewählt wurde. Im Gegensatz dazu sprachen sich in den Provinzen Valencia (57,84%) und Castellón (70,5%) Mehrheiten für Valencianisch aus. Landesweit erhielt Valencianisch mit 50,53 % eine knappe Mehrheit, während Spanisch auf 49,47% kam.
Deutliche regionale Unterschiede innerhalb der Provinz
Innerhalb Alicantes zeigen sich starke regionale Differenzen. Spanisch dominiert insbesondere in südlichen und zentralen Landkreisen. In der Vega Baja entschieden sich 95,25% der Eltern für Kastilisch, in Alto Vinalopó waren es 83,17%, in L’Alacantí 75,61%, in Vinalopó Mitjà 74,67% und in Baix Vinalopó 59,19%.
Anders sieht es in den nördlichen Bezirken der Provinz aus, wo Valencianisch überwiegt. Besonders hohe Zustimmungswerte verzeichneten Comtat mit 87,63%, Marina Alta mit 71,62%, L’Alcoià mit 60,09% und Marina Baixa mit 57,26%.
Auch in den größeren Städten der Provinz gibt es starke Unterschiede. Während in Alicante selbst 83,07% der Eltern Spanisch wählten, lag die Zustimmung in Torrevieja bei 97,84% und in Orihuela bei 98,05 %. In Elda entschieden sich 95,77% für Spanisch, in San Vicente del Raspeig 72,58% und in Elche 59,75%. Auf der anderen Seite erzielte Valencianisch in Alcoy eine Mehrheit von 59,66% und in Dénia von 53,27%.
Politische Debatte um Sprachpolitik und Mehrsprachigkeit
Die Abstimmung war Teil einer Initiative der Regionalregierung unter Präsident Carlos Mazón, die darauf abzielte, die als „Aufzwingung“ kritisierte Sprachpolitik der vorherigen Regierung aufzuweichen. Bildungsminister José Antonio Rovira betonte in einer Stellungnahme, dass die Ergebnisse der Konsultation ein „ausgewogenes System“ widerspiegelten. „Beide Sprachen gewinnen, vor allem aber die Familien“, so Rovira. Er argumentierte, dass das Wahlergebnis den Wunsch nach Pluralismus belege und nicht, wie von einigen politischen Parteien behauptet, einen Wettbewerb zwischen Kastilisch und Valencianisch schaffe.
Nichtsdestotrotz bleibt die Sprachpolitik ein umstrittenes Thema. Aktuell werden in 40% der Schulen in der Provinz Alicante die Hälfte oder mehr der Unterrichtsstunden in Valencianisch abgehalten. Diese Sprachprojekte wurden unter der vorherigen Regierung eingeführt, die ein Modell förderte, in dem eine der beiden offiziellen Sprachen als Hauptunterrichtssprache dient.
Beteiligung und Auswirkungen auf den Schulunterricht
Die Abstimmung mobilisierte in der Provinz Alicante 57,96% der Eltern, ähnliche Beteiligungsraten wurden in Valencia (58,81%) und Castellón (59,81%) verzeichnet. Am aktivsten waren die nördlichen Bezirke Comtat (73,28%) und L’Alcoià (70,21%), während die Vega Baja mit 46,7% die niedrigste Beteiligung innerhalb der Provinz aufwies.
Diese Ergebnisse könnten langfristige Auswirkungen auf die Sprachpolitik in den Schulen haben. Für die Bildungseinrichtungen bedeutet dies wahrscheinlich eine Anpassung an die Mehrheitsentscheidungen der Elternschaft.
Die Frage der Unterrichtssprache bleibt ein zentrales Thema der politischen und gesellschaftlichen Debatte in der Autonomen Gemeinschaft Valencia, während die Regierung die Ergebnisse als Signal für ein „gleichberechtigtes Nebeneinander“ interpretiert.